Hinweis: Wer mit der Veröffentlichung hier in BIEGAS nicht einverstanden ist
sendet diese Information bitte an
süddeutsche
Bündnis 90 / GRÜNE
|
|
Süddeutsche Zeitung |
![]() |
|
|
|
Wight:
Natürlich kann ich das verstehen. Jeder hat ein Recht sich zu beschweren. Wir halten uns an die Regeln und wir tun alles was wir können, um der einheimischen Bevölkerung so weit es geht entgegenzukommen. Doch wir müssen auch unsere Mission erfüllen: Wir müssen trainieren, um bereit zu sein, all unsere Nationen gegen jede Art von Bedrohung verteidigen zu können.(kah) In den vergangenen Wochen hat es in der Region kräftig rumort –
über den Köpfen der Menschen, wenn amerikanische Kampfjets ihre Übungen
flogen, und in ihnen selbst, wenn sie sich über den Lärm ärgerten. Auch
zahlreiche Leserbriefe haben gezeigt, wie sehr der Fluglärm die Menschen
beschäftigt.
Am Donnerstag hat sich der Kommodore des 52. Jagdgeschwaders nun
erstmals öffentlich zu den Vorwürfen der Bevölkerung geäußert (der TV
berichtete). Überraschend, denn eigentlich war die anberaumte
Pressekonferenz ausschließlich dazu gedacht, eine neue Broschüre des
„Host Nation Council“ vorzustellen (siehe Text unten).
Doch die Kommunalpolitiker, mit denen er sich zuvor hinter
verschlossener Türe über das Thema Fluglärm unterhalten hatte, hatten
auf eine sofortige Kundgebung zu diesem Thema gedrängt. „Wir wollten
nicht länger warten – um nicht den Eindruck zu erzeugen, wir nähmen die
Beschwerden der Bevölkerung nicht ernst“, sagt Roger Graef, Landrat des
Eifelkreises Bitburg-Prüm, einer der Gesprächsteilnehmer. Der Kommodore
hat daraufhin öffentlich versichert, „die Belange der Bevölkerung
ernstzunehmen“. Allerdings betonte er auch, dass die Piloten sich strikt
an gesetzliche Vorschriften zu halten hätten, dass interne Vorschriften
zu Ruhezeiten streng seien und der Flugbetrieb an deutschen Feiertagen
und während Begräbnissen eingeschränkt werde oder ruhe.
„Diese Aussagen haben mich sehr erzürnt“, sagt Matthias Mohr aus dem
nahe der Airbase gelegenen Beilingen. Der ehemalige Bürgermeister der
Verbandsgemeinde Speicher hatte sich vor einigen Wochen als erster wegen
des Fluglärms an den TV gewandt. Er wolle kein Öl ins Feuer gießen, sagt
Mohr – er freue sich, dass es seit einigen Tagen etwas ruhiger geworden
sei, und handele auch nicht aus ideologischen Gründen.
Doch die Aussage des Kommodores will er so nicht stehen lassen. „Das,
was wir in den vergangenen Wochen hier erlebt haben, gab es so noch
nie“, sagt er. Über dem Dorf Nachbrenner zünden Der Aufschrei der
Bevölkerung komme nicht aus Emotionen heraus, sondern allein aus der
Tatsache, was sich in der Luft abgespielt habe. Es könne nicht den
Regeln entsprechen, bis in den späten Abend hinein wieder und wieder
direkt über einem Dorf die Nachbrenner zu zünden, Senkrechtstarts zu
unternehmen oder Dauer-Schleifen zu fliegen. „Das, was der Kommodore
gesagt hat, hat mich schon sehr überrascht.“ Doch daran, dass
Beschwerdeanrufe etwas bringen, glaubt er schon lange nicht mehr. Genau
daran möchten die Lokalpolitiker in Zukunft etwas ändern. „Wir wollen in
Zusammenarbeit mit dem Luftwaffenamt das Beschwerdenmanagment
verbessern“, sagt Graef.
Dazu sei es jedoch wichtig, dass die eingehenden Beschwerden konkrete
Angaben dazu enthalten, wann ein Pilot wo welche Regeln gebrochen haben
könnte, damit das Luftwaffenamt, das sämtliche Flugbewegungen
aufzeichnet, der Sache nachgehen kann. Zudem werde man die Diskussion
mit dem Kommodore am 25. September im vierteljährlich tagenden „Forum
Spangdahlem“ fortführen, sagt Graef, der das Entgegenkommen der
Amerikaner lobt.
Meinung
Von Katharina Hammermann
Gut, dass sich was tut
![]() |
|
|
Der öffentliche Druck scheint zu wirken. Den Politikern kann es
plötzlich gar nicht schnell genug gehen, auch nach außen hin zu zeigen,
dass sie sich des Themas Fluglärm annehmen. Es tut sich also was – und
das ist gut so. Denn – egal, ob die Amerikaner sich bei ihren
Trainingsflügen nun an die Regeln halten oder nicht – zunächst ist es
einmal wichtig, dass die Beschwerden der Einheimischen ernstgenommen
werden, dass man ihnen nachgeht und mit den Verantwortlichen darüber
spricht. All dies scheint nun zu geschehen. Hoffentlich bringt es etwas.
k.hammermann@volksfreund.de
Extra
Italienische Militärflugzeuge in Spangdahlem: Selbst wenn sich alle
Piloten an alle Regeln halten, wird es im Luftraum über der Region Trier
in den kommenden Wochen wohl nicht sonderlich leise. Denn neben
sämtlichen amerikanischen Kampfjets sind – wie das Pressebüro der
Airbase mitteilt – vom 2. bis zum 26. September zusätzlich 26
italienische Militärflugzeuge in Spangdahlem, die Nato-Trainingsflüge
unternehmen. Eine Antwort auf die Frage, warum die Italiener
ausgerechnet in der Eifel trainieren, konnte die Base bis
Redaktionsschluss nicht geben.
-
--
Die Politiker und der Lärm Teil 1
Die Politiker und der Lärm, Teil II
Von unserer Redakteurin Katharina Hammermann
|
|
|
|
Beate Läsch-Weber (CDU), Landrätin des Kreises Bernkastel-Wittlich:
"Die Sorgen und Nöte der Bevölkerung wegen des vom Flugplatz Spangdahlem
ausgehenden Fluglärms nehme ich ernst. Allen vorgetragenen Beschwerden muss in
Zusammenarbeit mit dem Luftwaffenamt, das alle Flugbewegungen aufzeichnet, mit
Sorgfalt nachgegangen werden. Am 21. August dieses Jahres habe ich gemeinsam
mit Landrat Graef und den Bürgermeistern der am Flugplatz angrenzenden
Verbandsgemeinden und Ortsgemeinden dem Kommodore, Oberst Lee Wight, die
Sorgen der Bevölkerung wegen des aktuellen Fluglärms vorgetragen. Das Thema
Fluglärm ist auch Tagesordnungspunkt der nächsten Sitzung des Forums
Spangdahlem im September, in der konkret und umfassend die Gespräche mit dem
Kommodore in der Angelegenheit fortgeführt werden."
![]() |
Christoph Holkenbrink (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde
Wittlich-Land: "Wir nehmen Beschwerden der Bürger entgegen, wenn wir denn
welche bekommen, und gehen ihnen nach. Dazu
gibt es ja auch das "Forum Spangdahlem". Dort haben wir mehrfach konkrete
Beschwerden vorgebracht. Die Amerikaner sind sofort darauf eingegangen und
haben eine konkrete Abhilfe geschaffen. Man kann natürlich symbolische Politik
betreiben und sagen: "Es ist alles viel zu laut". Das führt aber zu nichts.
Jeder Bürger kann uns anrufen. Aber wir brauchen konkrete Beschwerden. Die
können wir dann ins Forum einbringen."
![]() |
|
|
|
Rudolf Becker (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher: "Wir
stehen natürlich regelmäßig in Kontakt mit dem Flugplatz und sprechen das
Thema auch regelmäßig an. Es gibt Zeiten, wenn alle Flieger weg sind, da ist
weniger Lärm, jetzt, wo alle wieder hier sind, ist es lauter. Aber nicht nur
die Amerikaner, sondern auch andere Nato-Verbündete fliegen hier. Natürlich
sind wir nicht erfreut über den Fluglärm. Das ist sehr nervig. Und natürlich
wollen wir, dass die Belastung so gering wie möglich ist und werden alles tun,
um sie zu verringern. Aber so lange es den Flugplatz Spangdahlem gibt, wird es
nicht ohne Lärm gehen."
![]() |
|
|
|
Wolfgang Reiland (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Trier-Land:
Wir sind mit der Ortsgemeinde Zemmer vom Lärm betroffen und haben auf
Beschwerden hin mehrfach Kontakt mit der Airbase aufgenommen. Wir stellen
fest, dass es danach eine Zeit lang gut geht, ehe die Probleme wieder
auftreten. Vielleicht liegt es an der sehr hohen Fluktuation bei den Piloten.
Nach zwei bis drei Jahren kommen neue, und dann geht der Ärger wieder los. Wir
sind ja auch im "Forum Flugplatz Spangdahlem", und das Thema wird permanent
thematisiert. Es ist für die Menschen einfach schwierig, mit diesem Lärm
klarzukommen. Aber für uns als Kommunalpolitiker ist es schwierig, da wirklich
etwas zu bewegen."
![]() |
|
|
|
Jürgen Backes (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bitburg-Land:
"Wir gehen konkreten Beschwerden nach. Es liegt uns aber zur Zeit nichts
Konkretes vor. Die Amerikaner haben das Recht auf Überflug. Nur wenn sie sich
nicht an die Regeln halten, kann und muss das verfolgt werden. Ich habe
Verständnis für die Betroffenen - ich wollte auch nicht in der Nähe des
Flugplatzes leben. Aber wir Kommunalpolitiker können die Welt da nicht aus den
Angeln heben. Wir können die Beschwerden weiterleiten, und im Forum
Spangdahlem werden sie ja auch besprochen, aber irgendwo hört der Einfluss
eines VG-Bürgermeisters einfach auf. Wichtig ist: Wir brauchen konkrete
Beschwerden: Datum, Uhrzeit, Ort…"
![]() |
|
|
|
Roger Graef (CDU), Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm: "Die Mehrheit
der Bürger steht zum Flugplatz Spangdahlem, und wenn ich dazu stehe, dann
bedeutet das auch Fluglärm. Im Vergleich zu früher ist es übrigens sehr viel
ruhiger geworden. Dass der Lärm eine Beeinträchtigung der Lebensqualität
bedeutet, steht außer Frage. Und wenn Beschwerden kommen, muss man ihnen
natürlich nachgehen. Andererseits muss man auch anerkennen, dass der Flugplatz
sich Selbstbeschränkungen unterworfen hat und bei der Wahl der Flugrouten
Rücksicht auf die umliegenden Dörfer nimmt. Wir wollen in direktem Kontakt mit
dem Luftwaffenamt das Beschwerdemanagement verbessern. Aber wir können nicht
versprechen, dass der Fluglärm um die Hälfte reduziert wird. Den Mut muss man
haben, das zu sagen: Dazu müsste der Flughafen geschlossen werden. Und das
will die große Mehrheit nicht."
![]() |
|
|
|
Günther Schartz (CDU), Landrat des Kreises Trier-Saarburg: "Aus Zemmer
gibt es immer wieder Beschwerden wegen Fluglärms. Ich werde mich in einem
Schreiben an den Kommodore wenden, um mich zu informieren, ob es Veränderungen
gibt, die von der Betriebsgenehmigung abweichen. Wir haben ein ganz gutes
Verhältnis zu Spangdahlem, deshalb gehen wir davon aus, dass wir auch eine
gute Antwort bekommen. Wir werden das natürlich zunächst zurückhaltend und
höflich angehen. Im Süden unseres Kreises haben wir eher mit dem Lärm des
Luxemburger Flughafens zu tun."
Von Katharina Hammermann
![]() |
|
|
|
Nach den deutschen Regeln dürften die in Spangdahlem stationierten
Amerikaner rund um die Uhr fliegen. So laut wie sie wollen, denn
Lärmbeschränkungen gibt es für Militärflüge nicht.
Man muss es ihnen daher zugute halten, dass sie das nicht tun. Dass sie sich
freiwillig einschränken, und Rücksicht auf ihre Nachbarn nehmen. Ohne dieses
Entgegenkommen wäre es noch viel unangenehmer, in der Nähe der Airbase zu
wohnen. Da stellt sich doch die Frage, warum das militärische
Luftfahrthandbuch so gut wie keine Auflagen enthält, die die Bevölkerung vor
Lärm schützen. Solche Regeln sollten dringend geschaffen werden.
k.hammermann@volksfreund.de
Meinung
Beschränkungen schaffen!
Nach den deutschen Regeln dürften die in Spangdahlem stationierten Amerikaner
rund um die Uhr fliegen. So laut wie sie wollen, denn Lärmbeschränkungen gibt
es für Militärflüge nicht. Man muss es ihnen daher zugute halten, dass sie das
nicht tun. Dass sie sich freiwillig einschränken, und Rücksicht auf ihre
Nachbarn nehmen. Ohne dieses Entgegenkommen wäre es noch viel unangenehmer, in
der Nähe der Airbase zu wohnen. Da stellt sich doch die Frage, warum das
militärische Luftfahrthandbuch so gut wie keine Auflagen enthält, die die
Bevölkerung vor Lärm schützen. Solche Regeln sollten dringend geschaffen
werden.
Von unserer Redakteurin Katharina Hammermann
| 22.08.2008 |
In der Eifel rumort es weiter
Von unserer Redakteurin Katharina Hammermann
So schnell wird es um den Fluglärm wohl auch nach der ersten öffentlichen
Stellungnahme der Airbase Spangdahlem nicht ruhig werden. Während ein
fluglärmgeplagter Beilinger sich über die Aussagen des Geschwaderkommodores
ärgert, planen Lokal-Politiker, künftig anders mit Beschwerdeanrufen zu
verfahren.
Spangdahlem. In den vergangenen Wochen hat es in der Region kräftig rumort -
über den Köpfen der Menschen, wenn amerikanische Kampfjets ihre Übungen
flogen, und in ihnen selbst, wenn sie sich über den Lärm ärgerten. Auch
zahlreiche Leserbriefe haben gezeigt, wie sehr der Fluglärm die Menschen
beschäftigt.
Am Donnerstag hat sich der Kommodore des 52. Jagdgeschwaders nun erstmals öffentlich zu den Vorwürfen der Bevölkerung geäußert (der TV berichtete). Überraschend, denn eigentlich war die anberaumte Pressekonferenz ausschließlich dazu gedacht, eine neue Broschüre des "Host Nation Council" vorzustellen (siehe Text unten). Doch die Kommunalpolitiker, mit denen er sich zuvor hinter verschlossener Türe über das Thema Fluglärm unterhalten hatte, hatten auf eine sofortige Kundgebung zu diesem Thema gedrängt. "Wir wollten nicht länger warten - um nicht den Eindruck zu erzeugen, wir nähmen die Beschwerden der Bevölkerung nicht ernst", sagt Roger Graef, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, einer der Gesprächsteilnehmer. Der Kommodore hat daraufhin öffentlich versichert, "die Belange der Bevölkerung ernstzunehmen". Allerdings betonte er auch, dass die Piloten sich strikt an gesetzliche Vorschriften zu halten hätten, dass interne Vorschriften zu Ruhezeiten streng seien und der Flugbetrieb an deutschen Feiertagen und während Begräbnissen eingeschränkt werde oder ruhe. "Diese Aussagen haben mich sehr erzürnt", sagt Matthias Mohr aus dem nahe der Airbase gelegenen Beilingen. Der ehemalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher hatte sich vor einigen Wochen als erster wegen des Fluglärms an den TV gewandt. Er wolle kein Öl ins Feuer gießen, sagt Mohr - er freue sich, dass es seit einigen Tagen etwas ruhiger geworden sei, und handele auch nicht aus ideologischen Gründen. Doch die Aussage des Kommodores will er so nicht stehen lassen. "Das, was wir in den vergangenen Wochen hier erlebt haben, gab es so noch nie", sagt er. Der Aufschrei der Bevölkerung komme nicht aus Emotionen heraus, sondern allein aus der Tatsache, was sich in der Luft abgespielt habe. Es könne nicht den Regeln entsprechen, bis in den späten Abend hinein wieder und wieder direkt über einem Dorf die Nachbrenner zu zünden, Senkrechtstarts zu unternehmen oder Dauer-Schleifen zu fliegen. "Das, was der Kommodore gesagt hat, hat mich schon sehr überrascht." Doch daran, dass Beschwerdeanrufe etwas bringen, glaubt er schon lange nicht mehr. Genau daran möchten die Lokalpolitiker in Zukunft etwas ändern. "Wir wollen in Zusammenarbeit mit dem Luftwaffenamt das Beschwerdenmanagment verbessern", sagt Graef. Dazu sei es jedoch wichtig, dass die eingehenden Beschwerden konkrete Angaben dazu enthalten, wann ein Pilot wo welche Regeln gebrochen haben könnte, damit das Luftwaffenamt, das sämtliche Flugbewegungen aufzeichnet, der Sache nachgehen kann. Zudem werde man die Diskussion mit dem Kommodore am 25. September im vierteljährlich tagenden "Forum Spangdahlem" fortführen, sagt Graef, der das Entgegenkommen der Amerikaner lobt. Was denken Sie? Mailen Sie uns Ihre Meinung zum Thema Fluglärm an eifel-echo@volksfreund.de in Kürze. Der Text sollte 30 Zeilen à 30 Anschläge (also rund 900 Zeichen) nicht überschreiten. Name und vollständige Anschrift nicht vergessen! Meinung
Gut, dass sich was tut Extra Italienische Militärflugzeuge in Spangdahlem: Selbst wenn sich alle Piloten an alle Regeln halten, wird es im Luftraum über der Region Trier in den kommenden Wochen wohl nicht sonderlich leise. Denn neben sämtlichen amerikanischen Kampfjets sind - wie das Pressebüro der Airbase mitteilt - vom 2. bis zum 26. September zusätzlich 26 italienische Militärflugzeuge in Spangdahlem, die Nato-Trainingsflüge unternehmen. Eine Antwort auf die Frage, warum die Italiener ausgerechnet in der Eifel trainieren, konnte die Base bis Redaktionsschluss nicht geben.
|
||||||
| 21.08.2008 |
Fluglärm im Gespräch
Der Kommodore der US-Airbase Spangdahlem hat gestern mit Politikern aus der
Eifel über Fluglärm gesprochen und sich handlungsbereit gezeigt.
Spangdahlem. (kah) Lokalpolitiker haben gestern mit dem Kommodore des 52.
Kampfgeschwaders, Colonel Lee Wight, über Fluglärm gesprochen. Ein Thema, das
die Menschen in der Region in jüngster Zeit stark beschäftigte. Es gab
zunehmend Beschwerden über laute Kampfflugzeuge. Der Geschwader-Chef
versicherte, dass die Piloten sich strikt an gesetzliche Vorschriften zu
halten hätten. Er betonte, dass interne Vorschriften zu Ruhezeiten strikt
seien und der Flugbetrieb an deutschen Feiertagen eingeschränkt werde oder
ruhe, wenn der Auftrag dies zulasse. Der Kommodore sagte zu, die Gespräche
fortzuführen und sich für eine Verringerung des Fluglärms einzusetzen
|
||||||
| 21.08.2008 |
|
||||||
| 11.08.2008 |
"Mehr als unerträglich"
Von Manfred Reuter und Dagmar Schommer
Rund um Spangdahlem beklagen sich Einwohner über eine dramatische Zunahme von
Fluglärm durch US-amerikanische Militär-Jets - und nicht nur dort. Von
"unerträglichen Zuständen" ist die Rede. Die US-Luftwaffe erklärt, dass die
Zunahme des Flugbetriebs an der Rückkehr der Flugstaffeln von
Auslands-Einsätzen liegt.
Beilingen/Binsfeld. Bei Matthias Mohr liegen die Nerven blank. "Terror ist
angesagt", stöhnt der Architektur-Professor und frühere Bürgermeister der
Verbandsgemeinde Speicher. Seit Wochen sei der durch in Spangdahlem
stationierte Jets verursachte Lärm nicht mehr zu ertragen. Gläser setzen sich in Bewegung
|
19.10.2007
Lautstark gegen den Fluglärm
![]()
Mit Klappern, Hupen, Kochtöpfen und aufgezeichnetem |
Spangdahlem. (rh) Es sollte eine eindrucksvolle Demonstration gegen den Fluglärm werden. Aus der Sicht der Organisatoren und Teilnehmer war sie das auch. Die Amerikaner zeigten sich unterdessen nicht interessiert an dem Spektakel.
Hans-Günther Schneider, der in Binsfeld nur wenige hundert Meter vom Zaun der Landebahn entfernt wohnt, begrüßte die Teilnehmer. Sie waren mit Klappern, Hupen, Töpfen und anderen Krachmachern gekommen, um einen Teil des Lärms an die Amerikaner zurückzugeben, den sie täglich ertragen müssen. Schneider: "Was hier den Anwohnern zugemutet wird, ist unerträglich geworden. Es gibt immensen Lärm, in der Regel von sechs Uhr in der Früh bis um Mitternacht. Wenn nicht geflogen wird, werden Triebwerke getestet. Das ist so, auch wenn offiziell davon die Hälfte geleugnet wird", machte sich Schneider Luft.
Die Gruppe zog lärmend vom Haupttor entlang des äußeren Weges in Richtung Flugplatz. Hinter dem Zaun patroullierte ein Soldat mit Schäferhund, die Air Police fuhr Streife. Dort oben leben Armee-Angehörige in den zum Feldweg hingewandten Häusern. Sie waren an diesem Abend das Ziel der Demonstranten. Auf dem Weg dorthin erzählte die zehnjährige Jasmin Schmitz aus Arenrath, die mit Vater Bernd hierher gekommen war, ihre Erlebnisse. Sie besuchte bis zum Sommer die Grundschule Binsfeld. "Das war schlimm. Die Lehrerin musste immer schreien, und sie hat sich darüber das ganze Schuljahr geärgert. Oft hörte sie einfach auf zu reden, weil wir sie nicht mehr hören konnten wegen der Flugzeuge", sagte die Schülerin. Auf dem Rücken trug sie einen Rucksack mit der Beschriftung "Ami go home".
Solidarität aus dem Hunsrück
Markus Pflüger von der Arbeitsgemeinschaft Frieden in Trier: "Für mich ist der Lärm ein Ausdruck dieses Kriegsflughafens. Den hören auch die zivilen Opfer, die die Bomben irgendwann abkriegen. Es ist wichtig, die Bürger hier vor Ort zu unterstützen und solidarisch zu sein", sagte der Friedensaktivist. Die Air Base diene nicht dem Frieden. Es gehe um weltweite Märkte und Rohstoffe. Deswegen sei das US-Militär überall.
"Das ist nicht im Sinne der Demokratie. Das ist zum Schaden von Menschen und Umwelt", sagte Pflüger. Richard Pestemer ist Ortsbürgermeister in Neunkirchen in der VG Thalfang. Er sagte: "Ich solidarisiere mich mit den Anwohnern. Deutschland ist durch die Beteiligung der Bundeswehr in Afghanistan mitten drin im Schlamassel. Ich befürchte, dass die Region dadurch zu einem vorrangigen Terrorziel werden könnte", sagte er.

Anfänglich schauten einige Köpfe aus den Fenstern des Wohnblocks. Nach wenigen Augenblicken aber waren sie verschwunden. Sie interessierten sich nicht für die Anliegen der Demonstranten. Die zogen, so wie Horst Meerfeld vom Hof Raskopp bei Landscheid, enttäuscht und wütend ab. "Wir sind der Willkür der Amis ausgesetzt. Die nehmen keine Rücksicht", schimpfte er und verschwand in der Dunkelheit.
10. Juni 2007
Eine Chance für schnelle Investoren
![]() |
|
|
Spangdahlem. Klüsserath, Burbach, Zemmer, Schweich und Mauel eint eine Gemeinsamkeit. Nach Ansicht des rheinland-pfälzischen Innenministeriums könnte in all diesen und mehr als 110 weiteren Orten in der Region neuer Wohnraum für US-Militärs und deren Familien entstehen. Sie alle liegen im 20-Minuten-Fahrradius um die Air Base Spangdahlem.
Im Rahmen der Housing-Initiative Rheinland-Pfalz (Hirp) sollen nun innerhalb dieser Kommunen Grundstücke für Soldaten-Quartiere gefunden werden. Dabei soll laut Helmut Klein von der dazu gegründeten Projektentwicklungsgesellschaft darauf geachtet werden, dass sich die Gebäude an die bestehenden Strukturen anpassen. 271 Wohneinheiten sollen so in der Region entstehen.
"Bis 2009 sollen die Einheiten bezugsfertig sein", sagte Helmut Klein. Wie diese Häuser aussehen sollen, können Militärs, interessierte Kommunalpolitiker und potenzielle Investoren in absehbarer Zeit in der Eifel sehen. In Wolsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) soll ein Musterhaus entstehen.
"Es kann nicht sein, dass wir den Lärm haben und keine regionale Wertschöpfung", sagte Bitburg-Prüms Landrat Roger Graef als Reaktion auf die mögliche Vergabe der Aufträge an nicht aus der Region stammende Firmen und Investoren. Er wolle keine Fertighaussiedlungen am Rand der Gemeinden. Graef forderte zudem dazu auf, die geforderten Standards schnellstmöglich zu veröffentlichen. Eine integrierte Entwicklung wünscht sich auch die Bitburg-Prümer Landtagsabgeordnete Monika Fink (SPD): "Wir wollen keine riesengroßen Einheiten, die an die bestehenden Ortschaften angeklatscht werden."
"Ich wünsche dem Kümmerer, dass er nicht zuviel Kummer hat angesichts der kurzen Zeit", sagte Beate Läsch-Weber, Landrätin des Kreises Bernkastel-Wittlich, an die Adresse von Walter Densborn, ehemaliger Bürgermeister der Verbandsgemeinde Manderscheid, der als Ansprechpartner vor Ort fungieren soll. Seine Aufgabe wird es sein, den Kontakt zwischen Kommunen, potenziellen Investoren und der Hirp herzustellen.
Ortsbürgermeister Wolfgang Faber (Herforst) bezweifelte unterdessen, dass angesichts der Anforderungen private Investoren zum Zuge kommen würden. Dem widersprach Klein. Er sagte, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sei da. Wie das Verhältnis zwischen den Privaten und dem Engagement der Projektentwicklungsgesellschaft letztendlich aussehen soll, konnte er noch nicht sagen.
Mit einem konkreten Angebot war derweil Ralf Bußmer, Bürgermeister der Stadt Wittlich nach Spangdahlem gekommen. Er sagte, in seiner Stadt gebe es als Standorte für die neuen Wohnquartiere rund 150 Bauplätze in einem Konversionsgebiet. Das brachte unter anderem Spangdahlems Ortsbürgermeister Klaus Rodens auf den Plan. Er fragte, wer denn letztendlich entscheide, wer was bauen dürfe.
"Es richtet sich danach, wann gebaut werden kann", sagte Innenminister Bruch. "Wenn Sie das können, sind sie drin im Topf", sagte Minister Bruch auf eine entsprechende Frage von Bruchs Ortsbürgermeister Fritz Kohl.
Auf der US-Airbase Ramstein lagern keine Atomwaffen mehr. Das ergibt sich aus einer neuen Dienstvorschrift der US-Luftwaffe. Der Fliegerhorst Büchel in der Eifel ist damit der letzte Atomwaffenstandort in Deutschland. Die Bundesregierung muss sich fragen lassen, warum sie diesen weiter für erforderlich hält.
Das größte Atomwaffenlager der USA in Europa ist offenbar nicht mehr in Betrieb. Es befindet sich auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz. In Deutschland gibt es damit nur noch einen Nuklearwaffenstandort, den Fliegerhorst Büchel in der Eifel, auf dem auch das deutsche Jagdbombergeschwader 33 stationiert ist. In Europa sind damit künftig nur noch acht Nuklearwaffenlager mit etwa 350 US-Atomwaffen in Betrieb.
Eine neue Vorschrift der US-Luftwaffe in Europa beschreibt, welche Flugplätze in Europa in den kommenden Monaten Besuch von amerikanischen Experten für Nuklearwaffensicherheit bekommen. Diese Experten sollen den örtlichen Mannschaften bei der Vorbereitung auf die regelmäßigen Nuklearen Sicherheitsinspektionen (NSI) helfen. Alle bekannten europäischen Nuklearwaffenstandorte sind dort gelistet, auch Büchel. Ramstein aber fehlt erstmals.
Da die regelmäßigen Inspektionen für alle Nuklearstandorte in Europa Pflicht sind, geht Hans Kristensen von der Federation of American Scientists (FAS) davon aus, dass in Ramstein keine Nuklearwaffen mehr gelagert werden.
"Der beste Beweis, den man bekommen kann"
Das Pentagon, die US-Luftwaffe und das Bundesverteidigungsministerium wollen zu dieser Analyse nicht Stellung nehmen. Sie verfolgen seit Jahrzehnten eine Politik, die Anwesenheit von Nuklearwaffen an einem bestimmten Standort weder zu bestätigen noch zu dementieren. Kristensen sieht in der neuen Dienstvorschrift deshalb "den besten Beweis, den man bekommen kann", um zu belegen, dass in Ramstein keine Nuklearwaffen mehr gelagert werden.
Der Luftwaffenstützpunkt Ramstein Air Base beherbergt spezielle Lagerstätten für insgesamt 216 Atombomben der Typen B-61-3 und B-61-4. In den Boden der Flugzeugschutzbauten sind 54 sogenannte Nuklearwaffengrüfte (Vaults) eingelassen, die je vier Atomwaffen aufnehmen können. Etwa 130 Waffen waren dort zuletzt eingelagert.
Späte Genugtuung für Rot-Grün
Während der umfangreichen Bauarbeiten auf der Luftwaffenbasis in den vergangenen Jahren - Ramstein hat die Aufgaben der Rhein-Main Air Base in Frankfurt übernommen - wurden die Atomwaffen aus Sicherheitsgründen in die USA ausgelagert. Das berichtete Der Spiegel bereits 2005. Erwartet wurde damals, dass die Waffen nach Abschluss der Bauarbeiten nach Ramstein zurückgebracht würden. Dies ist wohl nicht geschehen.
Der Verzicht der USA auf die Wiedereinlagerung der Waffen ist eine späte Genugtuung für die frühere rot-grüne Bundesregierung. Deren Verteidigungsminister, Peter Struck, und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (beide SPD) äußerten bei einem Besuch der Baustelle 2005 Zweifel an der Notwendigkeit, künftig noch Atomwaffen in Deutschland zu lagern. Sie regten an, darüber mit den anderen Nato-Partnern zu sprechen.
Bald darauf wurde das Thema im Juni 2005 in der Nuklearen Planungsgruppe angesprochen. Der deutsche Vorstoß scheiterte. Das öffentliche Kommunique der Minister bestätigte die Nuklearpolitik der Allianz und ließ keine Veränderungen erkennen.
Nörvenich und Spangdahlem auch betroffen
Auswirkungen hat der Vorgang auch auf zwei andere Nuklearstandorte: Die amerikanischen Jagdbomber in Spangdahlem und das deutsche Tornado-Geschwader in Nörvenich verlieren ihre nukleare Aufgabe. Die Atomwaffen für beide Standorte wurden früher in Ramstein gelagert. Auch in Spangdahlem und Nörvenich finden keine Expertenbesuche zur Vorbereitung von Nuklearinspektionen mehr statt.
Das Geschwader in Nörvenich wird darüber hinaus in den kommenden Jahren seine Tornado-Flugzeuge aufgeben und auf den Eurofighter umgerüstet. Während die Tornados für den Einsatz atomarer Bomben zugelassen waren, ist der Eurofighter nicht nuklearfähig. Die Möglichkeit, Nörvenich wieder zu einem aktiven Nuklearstandort zu machen, wird damit aufgegeben.
Büchel einziger Atomwaffenstandort
In Zukunft gibt es somit nur noch einen aktiven Atomwaffenstandort in Deutschland. Beim Jagdbombergeschwader 33 in Büchel lagern weiterhin etwa 20 atomare Bomben in den elf Nuklearwaffengrüften des Fliegerhorstes. Jede hat ein Vielfaches der Zerstörungskraft jener Atomsprengsätze, die Hiroshima und Nagasaki auslöschten.
Die Bundeswehr hat zwar keine eigenen Atomwaffen, kann aber im Ernstfall amerikanische Atombomben im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe der Nato mit ihren Tornado-Jets abwerfen. Das Tornado-Geschwader hat diese Aufgabe. Bis zum Einsatz aber bleiben die Bomben unter US-Befehlsgewalt. Der US-Präsident muss dem Einsatz zuvor zustimmen und eine amerikanische Wartungs- und Sicherheitsmannschaft ist ständig präsent.
Militärisch nutzlos und rechtlich zweifelhaft
Für die Bundesregierung wird es künftig schwerer, den Verbleib atomarer Waffen in Deutschland zu begründen. Viele Experten bezweifeln, dass die Nuklearwaffen in Deutschland noch einen nachvollziehbaren, militärischen Zweck erfüllen. Sie binden vor allem teures Personal und verursachen hohe Kosten. Da Washington mit den Atomwaffen in Ramstein auch die Bomben für die amerikanischen Kampfflugzeuge in Deutschland abgezogen hat, muss Berlin jetzt begründen, warum gerade die deutsche Luftwaffe weiterhin Nuklearwaffen braucht.
Zudem ist die Zulässigkeit der nuklearen Teilhabe der Nato seit Jahren umstritten. Viele nicht-nukleare Mitglieder des Atomwaffensperrvertrages bezweifeln, dass es zulässig ist, das deutsche Flugzeuge mit deutschen Piloten theoretisch amerikanische Atomwaffen einsetzen können. Der Atomwaffensperrvertrag verlangt von den Atommächten, dass sie jederzeit die Kontrolle über ihre Nuklearwaffen behalten. Ausnahmen kenne der Vertrag nicht.
Nato überdenkt Atomwaffen-Bedarf
In der Nato arbeitet derzeit die sogenannte Hochrangige Beratergruppe (HLG) Vorschläge für den künftigen Bedarf der Allianz an nuklearen Waffen aus. Als die Nato-Verteidigungsminister am 15. Juni 2007 als Nukleare Planungsgruppe der Nato zusammentraten, hielten sie erneut fest, die Allianz unterhalte Nuklearstreitkräfte "in dem geringsten Umfang, der für die Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität hinlänglich" sei.
Otfried Nassauerist freier Journalist und leitet das Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit - BITS