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W&F
1/2002
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Die Rede ist von MCS (Multiple Chemikalien-Sensitivität).
Eine seltene Krankheit? Ich halte diese Krankheit für eine der
weitverbreitesten und schwersten in unserer Zeit - in unterschiedlichem
Schweregrad sind nach Schätzungen aus den USA bis 15 Prozent der Bevölkerung
westlicher Industrienationen betroffen. (1)
Von Seiten der MCS-Selbsthilfeorganisationen ist zu hören, dass sich die
Krankheit immer mehr ausweitet und immer schwerwiegender wird.
Wenn sie an schwerer MCS leiden, sind ihre Lunge, Haut und Schleimhäute
durchlässig für alle äußeren Einflüsse wie z.B. Autoabgase,
Tabakrauch, Agrarspritzmittel, Waschmittel und Parfüms. Was sie früher
vielleicht sogar als Wohlgeruch empfunden haben, löst mit einem Mal bei
ihnen schwere Herz-Kreislauf-Zusammenbrüche aus. Es kommt z.B. zu einer
unsäglichen Schwäche, zu Schwindel, Benommenheit, Schlaflosigkeit,
Schweißausbrüchen, Bewusstseinsveränderungen der verschiedensten Art,
Nierenproblemen, Haarausfall, schwerster Atemnot, Dauerdurchfällen und
Bewusstlosigkeiten. Bei MCS-Kranken wird der Geruchssinn als
Warninstrument dermaßen empfindlich, dass alles, was den Körper belasten
könnte, noch in kleinsten Konzentrationen wahrgenommen wird. Mit der Zeit
vertragen sie kaum noch Pkw`s, können keine öffentlichen Verkehrsmittel,
geschweige denn ein Flugzeug benutzen. Kaum ein MCS-Kranker findet ein
Hotel, in dem er übernachten könnte. Hinzu kommen häufig finanzielle
Probleme: Man kann nicht mehr arbeiten, ist aber gleichzeitig auf privatärztliche
Behandlungsversuche angewiesen. Das alles führt dazu, dass MCS-Kranke
nach einiger Zeit gesellschaftlich total isoliert sind und ein
Schattendasein führen. Da gibt es z.B. eine Mutter, die mit ihrem
Kleinkind im Auto lebt, da beide in der Wohnung das Bewusstsein verlieren;
da gab es eine junge Frau, die in einem selbstgebastelten Verhau aus ihr
verträglichen Steinen und Plastikplanen ausharrte und inzwischen
gestorben ist. Ein Dreißigjähriger sprang wegen seiner schweren MCS aus
dem 6. Stock, überlebte wie durch ein Wunder und wurde in die Psychiatrie
eingewiesen. Jetzt hat er sich vor eine S-Bahn geworfen und ist tot. Da
gibt es die unzähligen Familientragödien, in denen sich nach der ärztlichen
Diagnose "Sie haben nichts! Sie bilden sich alles nur ein!" der
gesunde Partner aus dem Staube macht. Meist sind es die Frauen und Kinder,
die schwerstkrank zurückbleiben. Greifen die Ämter ein, wird den
MCS-kranken Müttern nicht selten auch noch das Sorgerecht entzogen, das
Kind in einem Heim oder einer Pflegefamilie untergebracht. Man geht
irrigerweise davon aus, dass MCS-kranke Mütter ihre MCS-Symptome auf ihre
Kinder übertragen! Eine Giftbelastung wird für ein Hirngespinst
gehalten.
Ich selbst war so schwer an MCS erkrankt, dass ich nur knapp überlebt
habe. Dass ich heute wieder ein fast ganz normales, gesundes Leben führe,
obwohl MCS als unheilbar gilt, ist für viele unvorstellbar. Ich führe es
darauf zurück, dass ich heute vor allem den chemischen Belastungen aus
dem Militärbereich ausweiche. Die von mir durchgeführte Selbstbehandlung
u.a. mit homöopathisch aufbereitetem JP8 und EDB finden sie ausführlich
beschrieben in meinem Buch.
Die
Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen
Auch schwerstkrank war ich noch davon überzeugt, dass es hinter jedem zunächst
noch so abstrus erscheinenden Phänomen - so auch hinter meiner Krankheit
-eine plausible Erklärung gibt. Deshalb begann ich schon bald nach
Ausbruch meiner Krankheit nach deren Ursachen zu forschen.
Zunächst notierte ich penibel meine eigene, mir völlig fremde und
ausgesprochen ungewöhnlich erscheinende Symptomatik. Dann konzipierte ich
Fragebögen und begann nach Mitbetroffenen zu suchen. Manchmal war mir
fast unheimlich zumute, wenn ich dabei erfuhr, dass z.B. eine Frau aus
Karlsruhe, in der Nachbarschaft einer militärischen Einrichtung lebend,
die gleichen seltsamen Symptome hatte wie ich und diese obendrein mit
ihrer besten Freundin teilte, die vor einigen Jahren nach Nürnberg in die
Nähe einer militärischen Einrichtung gezogen war. Oder wenn ich
feststellte, dass meine 53 Symptome bis ins Detail mit denen eines
bestimmten Golfkriegsveteranen-Bataillons übereinstimmten und dass diese
wiederum auch identisch waren mit der Symptomatik der Überlebenden der
Absturzkatastrophe von Amsterdam-Bijlmermeer, bei der dubiose militärische
Güter als Fracht im Spiele waren. Trotzdem: Meine Frage nach einem
gemeinsamen Faktor, der bei allen MCS-Krankheitsfällen im Hintergrund
beteiligt ist, glich der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen, und
dementsprechend gab mir jahrelang kaum einer eine Chance.
Das Verwirrende und letztlich Fatale an der MCS-Situation ist, dass die
Vielzahl der Symptome je nach persönlicher Beschaffenheit individuell
verschiedene Schwerpunkte aufweisen. Zwar haben die MCS-Kranken im
wesentlichen die gleiche Symptomatik, doch kann es sein, dass der eine als
größtes Problem seine Herz- oder Darmprobleme, der andere seine
parkinsonartigen Zitteranfälle nennt. Obendrein wird die Vielzahl der
Symptome durch eine Vielzahl von Chemikalien ausgelöst, was zu der in der
Umweltmedizin weitverbreiteten Auffassung "Alles macht alles" führte.
Genauso wie die Auffassung, MCS sei Ausdruck psychischer Probleme,
blockiert auch das "Alles macht alles"-Denken den Erkenntnisweg,
dass sich höchstwahrscheinlich hinter all den vielen auslösenden
Chemikalien ein spezielles Chemikaliengemisch verbirgt, das als die
eigentliche Ursache der Krankheit MCS angesehen werden muss. Die
MCS-Kranken haben in der Vergangenheit (soweit ihnen möglich) keine
Kosten und Mühen gescheut, auf der Auslöserebene (Amalgam,
Holzschutzmittel u.a.) Analysen durchführen zu lassen, die beweisen
sollen, dass dort die Krankheit entstanden ist. Die Ursachenebene wurde
meines Erachtens nicht berührt, Widersprüche blieben stehen. Denn warum
gibt es Gesunde, die den ganzen Mund voller Amalgam haben, während es
Schwerst-MCS-Kranke gibt, die nicht eine einzige Füllung in ihren
tadellosen Zähnen haben; warum wurden Leute, die ihren Wohnort gewechselt
haben, trotz Amalgam im Mund wieder arbeitsfähig und warum blieben
MCS-Kranke, deren Zähne saniert wurden, auch weiterhin krank? Dass
Amalgam nur der Auslöser, nicht aber die Ursache von MCS sein könnte,
wird bislang kaum einmal angedacht.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Ein MCS-Kranker mit seinen zerstörten
Schleimhäuten und seinem speziellen toxischen Milieu im Mund kann Amalgam
(wie zahlreiche andere Zahnfüllungsmaterialien) auf keinen Fall vertragen
und muss diese unbedingt entfernen lassen. Aber meiner Meinung nach verträgt
er Amalgam nicht, weil er MCS hat, hat aber nicht durch das Amalgam seine
MCS bekommen.
Ich selbst - bis 40 kerngesund - wurde ausgerechnet in einem baubiologisch
restaurierten Haus krank. Kaum hatte ich Haus und Region wieder verlassen,
ging es mit meiner Gesundheit wieder bergauf - und das, obwohl ich mitten
in einem Weinbaugebiet mit all seinen Spritzmitteln gelandet war.
Die
Spur führt zum Militär
Dass ich mich schon sehr bald hauptsächlich mit Belastungen aus dem Militärbereich
befasste, hatte u.a. mit meinen Ausflugserfahrungen zu tun. Jahrelang habe
ich in Karten alle Orte festgehalten, an denen ich mich besonders gut oder
besonders schlecht gefühlt habe. Oft reagierte ich an ökologisch
scheinbar absolut unbedenklichen Orten dermaßen heftig mit meiner überwunden
geglaubten Symptomatik, dass ich mich im Nachhinein nach möglichen
Belastungsquellen erkundigte. Ausnahmslos hatte ich mich dann in großer Nähe
zu militärischen Einrichtungen befunden.
Im Laufe der Jahre habe ich zu weit über 400 MCS-Kranken Kontakt gehabt.
Auch hier die Erkenntnis: Die MCS-Kranken leben in der Nähe militärischer
Einrichtungen.
Eine Zeitlang habe ich nach Recherchen in toxikologischer Literatur
Nervenkampfstoffe als Krankheitsursache vermutet und mich in diesem
Zusammenhang mit Rüstungsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg befasst.
Doch ab einem bestimmten Punkt gingen die Krankheitsbilder MCS und
Nervenkampfvergiftung auseinander.
Dann bekam ich fast gleichzeitig Hinweise, nach denen der von der US-Armee
eingesetzte Treibstoff JP8 schwere gesundheitliche Probleme verursache,
(2) und
dass diesem Treibstoff das hochgiftige Additiv EDB beigemischt werde.
(3) Was
mich verblüffte und in meiner Recherche bestärkte, war die Tatsache,
dass sich die EDB-Vergiftungssymptome bis in auffällige Details decken
mit den Symptomen MCS-Kranker. Hinzu kamen Informationen über das
NATO-Pipeline-System CEPS, das Hafenanlagen und Raffinerien mit Tanklagern
und Flugplätzen verbindet, das 1990 eine Länge von 6.000 km hatte und
sowohl militärisch als auch zivil genutzt werden kann. (4)
(5)
Hinzu kommen noch acht weitere NATO-Pipeline-Systeme, die - da
offensichtlich zivil nicht nutzbar - auch nicht bekannt gegeben werden,
sowie sieben zivile Treibstoff-Pipelines.
Hatte ich hier die Nadel im Heuhaufen gefunden? Was hat es auf sich mit
diesem Treibstoff, den das US-Militär und die NATO - also auch die
Bundeswehr - benutzen?
1988 hat das US-Militär mit allen seinen militärischen Verbündeten - so
auch der NATO - vereinbart, dass für jegliche militärische Gerätschaften
- vom Kampfjet bis zum Panzer, vom Lkw bis zum Feldkocher - einheitlich
ein einziger Treibstoff zu verwenden ist und dass der damit verbundene
Konversionsprozess weltweit bis 2010 beendet sein soll, so dass alle mit
den Amerikanern verbündeten Militärs überall bei möglichen Einsätzen
über JP-8 verfügen können. (6)
Mit dem Thema nicht Vertraute schütteln ungläubig den Kopf bei der
Vorstellung, dass man mit demselben Treibstoff, mit dem ein Panzer bewegt
wird, auch einen Kampfjet fliegen können soll.
Und dennoch ist es so: Die entsprechende Additivierung macht`s möglich!
Auch müssen die Additive gewährleisten, dass sämtliche Gerätschaften
unter allen klimatischen Bedingungen - also sowohl bei klirrender Kalte
als auch bei glühender Hitze - auf den Punkt anspringen und
funktionieren. Außerdem muss der Treibstoff JP-8 zwangsläufig - das
Militär kann ja nicht überall gleichzeitig agieren - lagerfähig sein.
Auch hierfür braucht man entsprechende (teils biozide) Additive.
Wie aber kommen die MCS-Kranken mit JP-8 in Berührung? Auf der einen
Seite haben wir es in Deutschland mit einer sehr hohen Dichte militärischer
Einrichtungen zu tun, die vom Truppenübungsgelände mit Panzern und
sonstigen Gerätschaften, über den Militärflugplatz bis zur Kaserne und
dem mit einem JP-8 betriebenen Generator versehenen Sendeturmareal im
einsamen Wald reichen. Mir ist keine militärische Einrichtung bekannt,
die ohne Treibstoff - also JP-8 - denkbar wäre. Andererseits kommt als
wichtiger Faktor und Verteilsystem die unterirdisch verlegte NATO-Pipeline
CEPS mit ihren angeschlossenen Tanklagern hinzu.

Quelle TAZ
Selbst wer sich sicher ist, nicht in unmittelbarer Nähe einer Militäreinrichtung
zu leben, atmet dennoch möglicherweise JP-8 aus den Belüftungsvorkehrungen
der NATO-Pipeline und den Tanklagern ein. Noch dazu wird - weitestgehend
unbeachtet - über unseren Köpfen seit einiger Zeit die Betankung von
Kampfflugzeugen in der Luft praktiziert, wobei es möglicherweise
ebenfalls zu JP-8-Freisetzungen kommt. So sollen zur Zeit - laut Auskunft
eines Insiders - Bomber der US-Airforce, auf dem Weg nach Afghanistan über
der US-Airbase des Frankfurter Flughafens betankt werden.
Besonders zwei Stoffen im JP-8 gilt mein besonderes Interesse. Das
Vorhandensein des einen - das hochgiftige, im Zivilbereich verbotene
1,2-Dibromethan - wird von der Bundeswehr und vom Verteidigungsministerium
bestritten. Ein amerikanischer Text hingegen weist diesen Treibstoffzusatz
aus als eines der am häufigsten im Umfeld amerikanischer Militäreinrichtungen
in den USA gefundenen Gifte, das u.a. großflächig das Grundwasser
verseucht.
Die Verhältnisse in Übersee - also auch bei uns - sollen nicht anders
sein. (7)
Bei dem zweiten Stoff handelt es sich um ein Detergens, dessen
Zusammensetzung aus patentrechtlichen Gründen nicht einmal dem deutschen
Verteidigungsministerium bekannt ist. (8)
Dieser Stoff könnte vielleicht erklären, warum MCS-Kranke so extrem auf
andere Detergentien enthaltende Substanzen (z.B. Waschmittel und
Totalherbizide wie Roundup Ultra) reagieren.
Groß ist die Zahl der Texte zu JP-8 und seinen Risiken.Und nicht ein
einziger Text ist zu finden, der die Unbedenklichkeit des hochbrisanten
Gemisches zum Thema hatte. (9)
Die jüngste Literatur über JP-8 bestätigt die Ergebnisse meiner
Recherche. JP-8 steht im Verdacht, bei 14 Kindern im Umfeld einer Airbase
in den USA Leukämie verursacht zu haben. (10)
Auch ich bin immer wieder im Zusammenhang mit meiner MCS-Recherche auf
Leukämie-Cluster am Rande militärischer Einrichtungen gestoßen.
Inzwischen geht man davon aus, dass JP-8, wenn eingeatmet, das
Lungenepithel zerstört. Ebenfalls zerstört es im Tierversuch den
molekularen Aufbau der obersten Hautschicht, so dass Löcher entstehen,
durch die körperfremde Chemikalien eindringen können. JP-8 wird
toxikologisch bewertet als ein Stoff, der das Immunsystem dermaßen zerstört
und sämtliche Abwehrfunktionen eines Versuchstieres so schnell und gründlich
zum Erliegen bringt, wie man es bisher von keiner Chemikalie gekannt hat.
(11)
Eine Bestätigung für meine Theorie sehe ich auch darin, dass das
Pentagon eine Studie in Auftrag gegeben hat, in der die Rolle des JP-8 bei
der Entstehung des Golfkriegs-Syndroms untersucht werden soll.
Zwei Dinge möchte ich am Schluss noch zu bedenken geben: Da ist einmal
der immens hohe - und von der Öffentlichkeit kaum beachtete -
Treibstoffverbrauch beim Militär, z. B. verbraucht ein M1-Abrams Panzer
des US-Militärs 600 Liter pro 100 km, ein F-15-Düsenjager bei höchster
Schubkraft 908 Liter pro Minute. Da ist zum anderen die gegenwärtige Überlegung,
das zivile Jet Fuel A1 durch das militärische JP-8+100 (12)
zu ersetzen. Ausgangspunkt für diese Planung ist die Angst, dass zivile
Flugzeuge auf AKW`s zum Absturz gebracht, zu verheerenden Kerosinbränden
führen würden. JP8 hat einen höheren Flammpunkt. (13)
Das dürfte verheerende gesundheitliche Folgen haben.
Fazit
Nach zehnjähriger MCS-Recherche bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass
JP-8 der Verursacher von MCS ist und dass nur wer JP-8-Freisetzungen
meidet, eine Chance hat MCS zu überwinden. Da aber nicht jeder in der
Lage ist, JP-8 aus dem Wege zu gehen, muss JP-8 in der derzeitigen Form
sofort aus dem Verkehr gezogen, müssen kontaminierte Gebiete umgehend
saniert werden.
Anmerkungen:
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